Review in the Süddeutsche Zeitung (German)

The following review appeared in the Monday 11th May 2009 edition of the Süddeutsche Zeitung, Page 49:

Britische Präzision

Peter Shaffers „Equus“
im Teamtheater Tankstelle

Ek, Ek, Ek, Ek, Ek. Der Psychiater Martin Dysart steht vor einem Rätsel. Jede Nacht presst sein Patient, der 17-jähriger Alan, im Traum diese Laute heraus. Unaufhörlich. Eigentlich sollte der Junge im Gefängnis landen, nun ist Dysart seine letzte Chance: Mit einem Hufauskratzer zerstörte er sechs Pferden die Augen. In quälenden Sitzungen kommt Dysart hinter die Motive für die Tat. Stößt auf eine bigotte Mutter, die ihrem Sohn endlos aus der Bibel vorlas, auf einen atheistischen Vater, unfähig, mit Alan zu reden, über seine sinistre Leidenschaft für Pferde, über den ersten Sex. Alan bastelte sich eine wahnhafte Privatmythologie zusammen, betete ein Pferdeposter an, onanierte nachts auf dem Rücken der Tiere, die er untertags als Stalljunge pflegte: „Für die Sünden der Welt“.

Der „Entity Theatre Workshop e.V.“ wählte für seine erste Produktion in diesem Jahr Peter Shaffers preisgekrönten Dramenklassiker „Equus“ von 1973. Das Ergebnis ist jetzt im Teamtheater Tankstelle zu sehen, ein Besuch lohnt. Die Inszenierung, die Peter Bishop mit der Gruppe von Laienschauspielern einrichtete, zieht nach leichten Anlaufschwierigkeiten in Bann. Mit einfachen Mitteln gelingt es der Aufführung, die vielen, von Shaffer in raschem Wechsel angeordneten Szenen – Rückblenden in die traumatische Kindheit, in die sexuell aufgeladenen Geschehnisse der Tatnacht – zu einem psychologisch dichten Kammerspiel zu fügen. Auf der Bühne befinden sich nur vier schwarze Polsterwürfel, flankiert von Pferdeboxen, die zunächst verschlossen sind. Werden sie geöffnet, kehrt Verdrängtes wieder. An “Equus” ist weniger die Rekonstruktion der Tat das Interessante, sondern was Alan in dem Psychiater auslöst. Der muss durch den Jungen erkennen, dass es seinem Leben an etwas ganz Elementarem mangelt: „Passion“. FLORIAN WELLE

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